Allgemeine Informationen zum Thema Regiogeld

  1. Zunächst mal, was ist eigentlich Geld? 

  2. Strukturelle Schwächen der globalen Finanzarchitektur 
  3. Wie kann regionales Geld diesen Entwicklungen entgegensteuern? 

  4. Die nachhaltige Funktion von Regiogeld

(Durch Anklicken der Überschriften werden Sie weitergeleitet. Die Texte sind knapp gehalten und zeigen natürlich nur einen Ausschnitt aus dem komplexen Thema. Wir bitten um Nachsicht und freuen uns auf Ihre Rückfragen).

"... Das Finanz- und Geldsystem ist ein mächtiges,  aber zugleich das am meisten vernachlässigte Instrument in der Nachhaltigkeitsdebatte.

Wenn wir jenes Instrument nicht ins Zentrum der Debatte rücken, verspielen wir eine zentrale Voraussetzung zur Schaffung von Gestaltungsspielräumen in der Zukunft.

... Deshalb treffen wir in der Korrektur der Finanzarchitektur Entscheidungen nicht nur für die lebenden Generationen, sondern zugleich auch für ein zukünftiges friedliches Miteinander der Nationen."

Prof. Dr. Stefan Brunnhuber und Dr. Harald Klimenta
"Wie wir wirtschaften werden – Szenarien und Gestaltungsmöglichkeiten für zukunftsfähige Finanzmärkte."
Frankfurt / Wien 2003, S. 183 und 186-189.

 

1. Zunächst mal, was ist eigentlich Geld?

 

"Die Geldfrage ist die Demokratiefrage" (Kurt Wilhelmi, Omnibus für direkte Demonkratie). Wir haben das Recht und die Möglichkeit, über das Geld, seine Verteilungsmechanismen und Regeln frei und selbst zu bestimmen. Das klingt für viele Menschen unglaublich, denn oft herrscht ein Gefühl von Hilf- und Machtlosigkeit gegenüber den großen Rädern der Finanzarchitektur vor. 

Um in diesem Bereich verantwortlich und selbstbestimmt handeln zu können, braucht es zunächst ein Verständnis von Geld, wie es uns nützt und wie es uns schaden kann.

Geld hat ursprünglich drei Funktionen.

  1. Geld ist  "… ein Zwischentauschmittel, welches sich von anderen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern aufgrund allgemeiner Anerkennung zum weiteren Tausch eingesetzt werden kann …" (Wikipedia 2008)
     
  2. Geld lässt sich sparen und dient so der Sicherung im Alter und  in Notzeiten.
     
  3. Geld wird als Darlehen zur Finanzierung lang– und mittelfristiger Vorhaben eingesetzt.

Wie wirkt Regiogeld?

Jeder Steintaler, der in Umlauf gebracht wird, erzeugt bei jedem Kauf erneut eine Nachfrage in der Region. Es gibt nicht die Möglichkeit, ihn auf Anlagekonten durch Zins wachsen zu lassen oder mit ihm zu spekulieren. Bei jedem Wechsel des Besitzers wird eine Ware oder eine Dienstleistung fällig, die durch Arbeit erbracht wird. Eine Geschichte veranschaulicht die erste Funktion von Geld:

Ein Beispiel:

Frau Hohlfeld erhält von ihrem Arbeitgeber 1.000 ST Lohn für ihre Arbeit bei der Beratung von Unternehmen. Damit lässt sie sich von der Fa. Neuland ihren Vorgarten neu gestalten. Der Gartenbauunternehmer Hammes bezahlt mit dem Geld eine Rechnung beim Sägewerk von Herrn Novak, der ihm Holz für seinen Dachboden geliefert hat. Herr Novak benutzt die Steintaler, um im Seecafe ein Fest für die Geburt seines Kindes auszurichten. Der Besitzer des Seecafes beschließt eine Erweiterung seines Geschäftsbetriebes und holt sich eine Unternehmensberatung bei der Firma von Frau Hohlfeld ein,…..

In diesem Beispiel ist aus 1.000 Steintalern eine Wertschöpfung in Höhe von 5.000 Euro für die Region entstanden. Und das Geld ist immer noch da und wirkt weiter. Beim Einsatz von Euro wäre das Holz vielleicht vom Sägewerk in Barnim und der ausgewählte Unternehmensberater aus Berlin gekommen. Vielleicht hätte Herr Hammes die Euros lieber in hochverzinsliche Wertpapiere gesteckt: in jedem Fall wäre die Wertschöpfung in der Region zum Erliegen gekommen und keine weitere Arbeit mehr hier nachgefragt worden.

In dieser Geschichte hat das Geld hat einen Warenkreislauf in Gang gesetzt und Werte wurden geschaffen durch die Arbeit der Menschen. Regionale Bindung fördert diese Funktion des Geldes sehr stark. Genau und ausführlich beschreibt Dipl. Wirtschaftsinformatiker Norbert Rost aus Dreseden in seinen Video-Vorträgen "Was-ist-Regiogeld?" und "Bausteine wirtschaftlicher Regionalisierung"  diesen Vorgang.

 

 

2. Strukturelle Schwächen der globalen Finanzarchitektur

 

Die zweite und dritte Funktion des Geldes ist nicht erst mit der seit 2006 wachsenden Finanzkrise starken Störungen ausgesetzt. Vermögenswerte wurden vernichtet, und Firmen und Banken haben Probleme sich zu refinanzieren, das heißt Kredite sind teuer und schwer zu bekommen. Folge ist inzwischen eine weltweite Wirtschaftskrise. Die Staatsregierungen der Welt haben durch den Einsatz von mehr als  2000000000000 (Billionen) Euro versucht gegenzusteuern. Folge sind Staatsverschuldungen, die durch Zinslasten jahrzehntelang die politischen  Handlungsfähigkeiten ( auf wirtschaftlichem, sozialen und ökologischen Gebiet) eindämmen werden.

Auch der jüngste Versuch, dieser Entwicklung mit den Vorschlägen der G20-Konferenz entgegen zu wirken, steht auf tönernen Füßen: Die systemimmanenten Probleme eines einschichtigen Finanzsystems werden nicht angepackt.

Hintergrund der Entwicklung sind Vermögensblasen und das Wachstum der Geldmengen, die durch den Handel mit Geld, dem Zinseszinseffekt und der Jagd nach immer höheren Renditen entstehen, ohne dass noch ein realer Wert in Form von Waren oder Dienstleistungen dagegen steht. Gigantische Summen werden nicht mehr in den Tauschprozess von Waren und Dienstleistungen eingebracht, wo sie Arbeit schaffen, sondern rotieren auf einem Geldmarkt mit dem Ziel immer höhere Renditen zu erwirtschaften.

Die Staaten verschulden sich bei diesen Vermögen, um das Geld über öffentliche Ausgaben wieder in den Umlauf zu bringen. Die Zinsen dieser Verschuldung müssen aber von den Menschen wieder erarbeitet werden. (Welt-online vom 3. 10. 2009) So werden die Geldvermögen immer größer, während die Realeinkommen sinken.

Eine Zunahme von Wohlstand für alle ließe sich nur noch durch ständiges Wirtschaftswachstum erreichen. Doch in einer endlichen Welt ist unendliches Wachstum nicht möglich. Wir haben nur eine Atmosphäre, nur eine gegebene Menge an Wasser, Boden und Ressourcen.

Wie wollen wir diese Erde an unsere Kinder übergeben?

 

 

3. Wie kann regionales Geld diesen Entwicklungen entgegen steuern?

 

Geld ist eine geniale Erfindung. Durch die Arbeitsteilung wurde die Produktion von Waren und Dienstleistungen immer effektiver. Zugleich wurde der Handel mit allen Produkten immer bedeutsamer. Geld machte diesen Austausch über alle Grenzen hinweg möglich.

Die transnationalen Währungen wie Euro und Dollar unterliegen aber nur noch bedingt der Kontrolle durch die Menschen, denen sie eigentlich dienen sollen. Die Schere zwischen Reichtum und Armut wird auf allen Ebenen, regional, national und global größer.

Wir brauchen komplementäre, d.h. ergänzende Geldsysteme, die durch andere Regeln die Vorteile des Geldes erhalten und die negativen Folgen der jetzigen Monokultur im Finanzsystem ausbalancieren können.

Durch den Bezug auf regionale Kreisläufe kann Geld seiner Aufgabe gerecht werden:

  • den Austausch von Arbeitsprodukten und Dienstleistungen zum Wohle der daran Beteiligten zu gewährleisten,
     
  • preiswerte Investitionen zu ermöglichen, die auf dem Interesse der Bevölkerung beruhen und
     
  • langfristige Sicherheit für Sparer zu schaffen

Dieser Aufgabe haben sich weltweit die verschiedensten Initiativen angenommen. Allein in Deutschland sind in fast 30 Regionen eigene Geldsysteme  im Umlauf, noch mehr sind in Vorbereitung. Unsere Region Fläming gehört zu den jüngsten Initiativen.

Regiogeld beeinflusst durch seine räumlich begrenzte Gültigkeit das Produktions- und Konsumverhalten der Menschen. Während ein Euro flüchtig ist und seine Funktion auch in Lohndumpingländern und Kapitalmärkten eingesetzt werden kann, bleibt ein Regiogeldschein immer weiter im Austausch in der gleichen Region und schafft hierdurch Nachfrage nach Arbeit, Produkten und Leistungen.

 4. Die nachhaltige Funktion von Regiogeld

 

Regiogeld ist nachhaltig in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht, denn:

  1. Je öfter Regiogeld getauscht wird, desto mehr Werte und Wohlstand entstehen in der Region, denn jeder Tauschwunsch bedeutet die Nachfrage nach Arbeit. Alle Leistungen, die im regionalen Austausch erbracht werden können, werden gefördert: Wohnen, Bauen, Energie, Verkehr, Bildung, Handwerk, Kunst, Lebensmittel und vieles mehr. So stimuliert eine regionale Währung die ansässige Wirtschaft und vermindert die Anfälligkeit gegenüber nationalen und globalen Krisen.
     
  2. Da sich die Regiogeld-Initiativen gemeinsam verpflichtet haben, keine Zinsen auf Guthaben auszuzahlen, entsteht bei einem Überschuss an Geld automatisch eine Kreditmöglichkeit zu sehr, sehr günstigen Bedingungen. Davon profitieren private und gewerbliche Investoren, die wiederum auf regionale Handwerker und Produkte zurück greifen. Es entsteht ein für alle profitabler Wirtschaftskreislauf.
     
  3. Zunehmende regionale Versorgung mit Waren und Dienstleistungen bedeutet eine Abnahme von weiten Transportwegen. Das schont die Umwelt und ist unter dem Gesichtspunkt sich ständig steigernder Transportkosten auch gut für den Geldbeutel.
     
  4. Durch die Abkoppelung von Zinseszinsdynamik und Renditewahn entfällt die
    Notwendigkeit zu dauerndem Wirtschaftswachstum. Nachhaltigkeit ist eine Frage des ökologischen Überlebens.
     
  5. Die Menschen einer Region machen die Erfahrung, dass ihre Arbeit zum gegenseitigen Nutzen ist. Die soziale und kulturelle Verbindung der Menschen wird durch gemeinsam erarbeiteten Wohlstand gestärkt. Dieser verschwindet nun nicht mehr in den Dividenden von großen Einkaufsketten und auf Nummernkonten dubioser Inselbanken, sondern vermehrt sich und trägt seine Früchte in der Region, wo er entstanden ist.